João Mouro / Rafael Reverón-Pojan

 

Eröffnung: Mittwoch, 22. Mai 2013, 19:00
Es spricht: Hartwig Knack, freier Kunstwissenschaftler, Kurator und Autor

Ausstellung: 23. Mai - 13. Juli 2013

 

João Mouro, geboren 1985 in Faro, Portugal, hat sich in seiner künstlerischen Ausdrucksweise keinen leichten Weg ausgesucht. In seinem Ausgangsmaterial erkennen wir Reste ästhetischer und funktionaler Objekte wieder, er fügt sie zu Objekt-Skulpturen zusammen, die uns gleichzeitig Realität und Unmöglichkeit vermitteln, und das in einem Zwischenformat, das nicht als monumental bezeichnet werden kann. Das Format seiner Arbeiten trennt ihn von den Erben der historischen Collage, und auch die konstruktive Skulpturen der 1970er und 80er haben zwar ihre Spuren in seinen Arbeiten hinterlassen, Mouro ist bei seinen Arbeiten jedoch intuitiver, neugieriger, ein künstlerischer Einzelgänger.
Bedenkt man die Materialien, die João Mouro für seine Skulpturen nutzt, möchte man vielleicht annehmen, dass es sich bei seinen Arbeiten um kleine, bewegende Skulpturen handelt, mit starkem konstruktivem Charakter. Doch der Künstler zeigt uns bewusst seinen Prozess, von der ersten Planung bis zum Ergebnis, er versteckt nichts, ja, er lädt den Betrachter sogar ein, die versteckten Seiten seiner Werke zu entdecken.
In seinen Arbeiten vergrößert er scheinbar den Raum, um ihn wieder aufzuteilen, baut Fenster ein, die die Objekte – auf eine ironische, post-dadaistische Weise – beleben. Mit einem scharfen Sinn für Humor nennt João Mouro diesen Aspekt seiner Arbeiten „Fensterismus“, ein Augenzwinkern hinauf zu den Geistern der Avantgarde, die wissen, dass man gleichzeitig gemeinsam und doch einzelgängerisch sein kann.

Rafael Reverón-Pojan, geboren 1969 in Caracas, Venezuela, ist kein einfacher Künstler, weder in seinem Auftreten, noch in seiner Arbeit. Er ist daran interessiert, die innenliegende Ordnung der Dinge offenzulegen, sein Anspruch ist es, Bilder zu schaffen, die sowohl Synthese als auch Gedanken beinhalten, sowohl Endergebnis als auch Anfang. Seine Arbeiten mögen präzise und kleinformatig sein, gerade dadurch jedoch sind sie reale Mikrokosmen, unabhängige Universen. Wer sich Reveron-Pojans Werken annähert, hat ein zweifaches Erlebnis: Auf der einen Seite hat er Freude an haptischen Texturen und der intimen Oberflächen, auf der anderen Seite arbeitet er mit Referenzen, die persönlich und hermetisch erscheinen. Das Bild seiner Arbeiten fügt sich beim Betrachter dann zusammen, wenn er aktiv wird und sich nach Ordnung und Sinn dessen, was er betrachtet, fragt.
Reverón-Pojan wählt zerbrechliche Materialien, mit denen er so lange arbeitet, bis sie eine bestimmte Beschaffenheit und ein hohes Maß an Ästhetik erreichen. Er beginnt mit einer vagen Idee oder einer undeutlichen visuellen Referenz, die der Künstler beinahe sofort wieder mit seinem Sinn für Humor auflockert, damit gibt er den Objekten einen eigenständigen und autonomen Charakter. Reverón-Pojan kennt sein Material sehr gut, er ist ein Meister seines Formats, er weiß, wie er die Zwischenräume erschafft, bei denen wir als Betrachter uns unsicher sind, ob wir es da mit einem Innen- oder Außenraum zu tun haben, ob wir ein Objekt nun von Oben oder von Unten betrachten. Der Künstler ist fasziniert von räumlichen Zeichen, gar nicht so sehr von ihnen als Abstraktion, sondern als alltägliche, uns umgebende Präsenz.

Auszüge: Miguel Fernandez-Cid, Kurator Galeria Astarte, Madrid

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