"eine neuerwachte Sehnsucht nach Natur bis tief hinein in unseren Alltag ..."

flower power

Künstler dieser Themenausstellung:  D. Baechler - Collage | M. Bruckmüller – Fotografie |
A. Deutsch – Papierobjekte | M. Temnitschka – Malerei | M. Tscherni – Zeichnung |
S. Vorwagner – Gouache | T. Zahn – Papier gerissen |

Ausstellungsdauer:    6. Juni  -  13. Juli 2019
Eröffnungsrede: Mag.a Maria Christine Holter

Wir sehen uns heute mit einem neuen Verhältnis zur Natur konfrontiert. Artenschwund, Klimawandel und künstliche Biotope sind einige der Schlagworte, die auf der einen Seite die veränderten Bedingungen der Natur charakterisieren.
Auf der anderen Seite lässt sich eine neuerwachte Sehnsucht nach Natur bis tief hinein in unseren Alltag erkennen.

In der Ausstellung der Galerie Ulrike Hrobsky „Flowerpower“ erschaffen Künstler Werke in verschiedensten Materialien und Medien, die sich der traditionellen Stillleben-Metaphorik bedienen und durchgängig im Kern ein Memento mori beinhalten (wenngleich keine moralische Botschaft) vielleicht nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, doch eindeutig vorhanden.

Donald Baechler verfolgt mit seiner formal reduzierten Abbildung nicht die Absicht „den Eindruck von Ähnlichkeit“ hervorzurufen. Seine bisweilen kindisch anmutenden Bilder haben ihre Wurzeln in volkstümlichen, amerikanischen
Traditionen und bestechen durch ihre Einfachheit. (Anm. nature morte)

Alexandra Deutschs farbstarke und an Texturen sowie Formideen überreiche, handgeschöpfte Papierobjekte finden sich schon als Kontrapunkt zu den zarten Samen-Assemblagen Flaigs und den transparenten Zeichnungen Tschernis im zweiten Raum.

Mit Zeit, Vergänglichkeit und Fragilität setzen sich zwei so unterschiedliche Künstlerinnen wie Michaela Bruckmüller, und Angela Flaig auseinander.

Die in Wels geborene und in Wien lebende Michaela Bruckmüller zeigt uns einmal mehr einen wahren Augenschmaus ihrer Fotokunst, die in den letzten Jahren das Motiv Blüten und Pflanzen in den Vordergrund rückt. Die opulenten Blumenmotive tragen bei ihr aber immer einen Hintersinn, sie verweisen – holländischen Blumenstillleben gleich – auf ein Memento Mori, auf das Werden und Vergehen, die in ihrem Sterben, im letzten Aufbäumen noch ihre unglaubliche Kraft und Schönheit entfalten, einen Danse Macabre vollführen.

Angela M. Flaig ist das Arbeiten mit natürlichen Materialien. Sie geht von einer maximalen Naturnähe aus, die sie durch das bewusste Einbeziehen von Flugsamen und Blüten sucht.

Die Wiener Künstlerin Martina Tscherni und die in Altmünster in OÖ lebende Sylvia Vorwagner stellen Fragen der künstlerischen Konstruktion in ihren ganz anders ausformulierten Beiträgen zu „Flower Power“.

Martina Tscherni beschäftigt sich in ihren detailreichen großformatigen Zeichnungen, die eigentlich Mischtechniken aus Grafit- und Farbstiftzeichnung mit collagierten Einsprengsel sind, mit Formen, die in einem mehr oder weniger bewussten Zustand auf dem Papier Gestalt annehmen, wobei sich Tscherni bei deren Umsetzung alter naturwissenschaftlicher Darstellungen als Inspiration bedient, wobei sie das empfindsame Selbst mit Pflanzlichem in Verbindung setzt und darin auch vor der Sexualität nicht halt macht.

Sylvia Vorwagners zeigt grafisch dominierte Gouachen von seriell ins Bild gesetzten geöffneten weißen Blüten. Die Analogie von voll erblühten Blumen mit dem weiblichen Geschlecht ist keine Erfindung der beiden, ebensowenig wie jene der prekären Blumenschönheit mit dem Tod bei Bruckmüller.

Maria Temnitschka schreibt zur aktuellen Ausstellung selbst:
„Unbedingt hingehen! Erstens wegen meiner herausragenden Kolleginnen / Kollegen und zweites weil ich normalerweise keine Blumen male. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Und: Blumen können auch böse sein!“

Tilmann Zahns kunstvoll aus Büttenpapier gerissene rote Flechte bringt den Titel der Ausstellung noch einmal so richtig auf den Punkt: Flower Power!
Zahn beschäftigt sich in seinen einzigartigen Papierarbeiten, bei denen Bütten vor der  Weiterbearbeitung in ein farbiges Ölbad getaucht wird, vornehmlich mit der ausgebrannten Peripherie unserer Städte, als ein Gewächs gesprossen, das durch seine Ästhetik besticht, zugleich aber als Mahnerin auftritt.

Textpassagen auszugsweise aus Eröffnungsrede © Maria Christine Holter

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